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Sven Krauß gewinnt Sprintrennen in Bitz

V+R-Cup: Ex-Profi siegt bei der ersten Etappe

Bitz, 17.06.2010 von Reinhard Linder

 

Der frühere Gerolsteiner Profi Sven Krauß hat die erste Etappe des 16. Volksbanken- und Raiffeisenbanken-Cups gewonnen. Beim Sprintrennen des IHC Bitz verwies er Timur Selvi auf Platz zwei.

 

Das nasse und kalte Wetter hatte zwar die Zuschauer verscheucht, nicht aber die 140 Radrennfahrer, welche bei einem der hochrangigsten Etappenrennen Deutschlands um Platzierungen und Punkte kämpften. Wie gut der Ruf des V+R-Cups ist, beweist die Teilnahme der deutschen Senioren-Nationalmannschaft beim Eröffnungsrennen über 40 Runden. Die Kaderfahrer teilten die vorderen Plätze in der Seniorenklasse untereinander auf, für ihre Konkurrenten blieb kein Platz auf dem Treppchen übrig. Mit ihnen gingen die Frauen an den Start, den Sieg holte sich Desiree Schuler vom Team Bike Aid Saar.

 

Ganz neu im Programm war für die Männer ein reines Punkterennnen. Fast die Hälfte der gemeldeten 84 Männer entschied sich für diese Variante, bei der alle zehn Runden Sprintpunkte vergeben wurden. Einer der Prominentesten war der frühere Gerolsteiner-Profi Volker Ordowski (Öschelbronn), der zwar permanent in der Spitze mitfuhr, nach 50 Runden aber mit leeren Händen dastand. Den Tagessieg sicherte sich der frühere deutsche Meister auf der Straße, Roman Stoffel (RC Die Schwalben München). Der 34-Jährige heimste 14 von 15 möglichen Punkten ein. Zweiter wurde mit gehörigem Abstand Markus Jahn vom TSV Schmiden, gefolgt von dem Saarländer Thorsten Resch.

 

Haushoher Favorit im Haupt-rennen war Sven Krauß vom RG Team Halanke Öschelbronn. Dass es keine Ein-Mann-Show wurde, sondern ein unheimlich spannendes Rennen von der ersten bis zur letzten Runde, hatte die Handvoll Zuschauer dem gerade erst 20 Jahre alt gewordenen Timur Selvi vom TSV Schmiden zu verdanken. Bereits in der fünften Runde machte sich der Junior auf und davon. Seinen Vorsprung baute er sukzessive auf 23 Sekunden bis zur 15. Runde aus: „Ich hatte gehofft, dass mich die anderen nicht ernst nehmen und ich das ganze Feld überrunden kann“, erzählte er nach dem Rennen. Sein Plan ging nicht auf. Krauß ließ sich nicht übertölpeln, sondern gab richtig Gas. Sofort fiel das Feld auseinander, das dieses mörderische Tempo nicht mitgehen konnte. Bis zur 20. Runde war Selvis Vorsprung auf zehn Sekunden zusammengeschrumpft. Krauß machte weiter mächtig Dampf, an sein Hinterrad konnten sich nur noch Florian Tenbruck (RV Wendelsheim) sowie die beiden Adicom-Fahrer des RSV Tailfingen, Sandro Melchien und Marco Heller heften. In der 23. Runde hatten sie den Ausreißer gestellt, doch Selvi dachte gar nicht daran Ruhe zu geben.

 

In der 25. Runde attackierte er erneut. „Der fährt rotzfrech“, war Moderator Ulrich Bock total begeistert. Wieder fuhr er einen Vorsprung von zehn Sekunden heraus, wieder setzte Krauß nach. Erst schüttelte er Melchien ab, dann Heller und in der 40. Runde auch Tenbruck. Nur zwei Kilometer ruhte sich Selvi im Windschatten des Ex-Profis aus, um in der 45. Runde erneut die Initiative zu übernehmen. Mehr als ein paar Meter Vorsprung gönnte ihm Krauß aber nicht, in der zweitletzten Runde zog er an dem Youngster vorbei und gewann mit zehn Metern Vorsprung. „Es war mein Ziel hier zu siegen“, sagte er selbstbewusst, „ich habe das ganze Rennen kontrolliert.

Gestatten Rolf Hofbauer (Allrounder) und Andi Mayr (Sprinter)

Leif Lampater war zuletzt das Aushängeschild des Activity-Racing-Teams des TSV Schmiden. Mit seinen Siegen hat er den Namen des 2005 gegründeten Teams weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Sein Wechsel zum RSV Irschenberg hat zweifelsohne zunächst eine große Lücke hinterlassen. Mittlerweile, und da ist sich der Teamgründer und -Manager Marc Sanwald sicher, ist diese Lücke schon wieder geschlossen. Nicht durch einen Fahrer, sondern durch zwei. Gestatten: Rolf Hofbauer, Allrounder, und Andreas Mayr, Sprinter. „Mit ihnen sind wir jetzt noch besser aufgestellt", sagt Sanwald.
Dass die Fahrer den Weg nach Schmiden gefunden haben, hat einen einfachen Grund: Beide wollen zwar nach wie vor Radsport auf hohem Niveau betreiben, ihr Hobby sollte aber nicht mehr das ganze Leben bestimmen und ausfüllen. „So wie es jetzt ist, ist es richtig", sagt denn auch Rolf Hofbauer, der zuletzt zur Merida-Amateurmannschaft zählte und davor zwei Jahre im Gerolsteiner Nachwuchsteam ISTA fuhr. Mehr als 30000 Trainingskilometer hat der heute 23-Jährige in dieser Zeit pro Saison heruntergespult, dazu unzählige Rennen bestritten. Platz und Zeit für andere Vergnügen gab es nicht, auch nicht für ein Studium. Dass der Profiradsport sein großer Traum war, daraus macht der Neu-Schmidener keinen Hehl. „Ich wollte unbedingt ins große Team, habe dafür alles hinten angestellt", sagt der A-Lizenz-Fahrer. Dass der Traum durch die nimmer enden wollenden Dopingskandale und die Auflösung des Gerolsteiner Teams wie eine Seifenblase jäh zerplatzt ist, hat Hofbauer zunächst zwar hart getroffen, doch mittlerweile hat sich der Öschelbronner neu orientiert - nicht nur, was seine neue Mannschaft anbelangt. Seit Herbst vergangenen Jahres studiert er an der Fachhochschule in Albstadt-Ebingen Maschinenbau. „Jetzt habe ich die Möglichkeit, Sport und Studium miteinander zu verbinden", sagt er. Zumal ihn Marc Sanwald nicht aufs Rad zwingt, wenn Prüfungen anstehen. „Das Studium hat klar Vorrang", sagt der Teammanager.
Auf dem Rad sitzt Rolf Hofbauer bereits seit der vierten Klasse. „Unser Rektor war damals auch im RSV Öschelbronn und hat uns ins Training eingeladen", erinnert er sich. „Irgendwie bin ich dann reingewachsen." Seinen bisher größten Erfolg hat er vor zwei Jahren als Achter bei der Thüringen-Rundfahrt gefeiert. Seinen ersten im Trikot des Activity-Racing-Teams will er schon am Ostermontag bejubeln. Beim Radklassiker „Rund um Schönaich" hat der neue Schmidener Spitzenfahrer bereits den vierten, dritten und zweiten Platz belegt. „Fehlt also nur noch der Sieg."
Einer, der in diesen nicht streitig machen wird, ist Andreas Mayr. Für einen Sprinter wie ihn sei das Streckprofil nicht geeignet, um ganz vorne mitzufahren. „Ich nutze das Rennen als Training, werde mich so auspowern, dass ich schon auf der Heimfahrt einschlafe", sagt der 26-Jährige, der inzwischen mehr als 50 Siege als A-Lizenzfahrer eingefahren hat und 2007 erfolgreichster deutscher Amateurfahrer war. Auch Mayr, der in Esslingen aufgewachsen ist, inzwischen aber mit seiner Freundin in Waiblingen wohnt, hegte lange den Traum vom Profitum. Nach drei „unschönen Stürzen" habe er aber gesehen, wie schnell im Radsport alles vorbei sein kann. Und spätestens nachdem er drei Wochen lang seine Beine aufgrund einer Einblutung im Lendenwirbel nicht mehr gespürt habe, war klar, dass er fortan auf die Karte Bildung setzen werde. Und dass man trotz Studium Radsport auf hohem Niveau betreiben kann, beweist keiner so eindruckvoll wie Andreas Mayr. In der vergangenen Saison ist er noch für das Team Merida gefahren, im April dieses Jahres nimmt der angehende Wirtschaftsingenieur seine Abschlussarbeit an der Fachhochschule in Esslingen in Angriff.
Sein erstes Rennrad hat Mayr erst als Teenager von seinem Vater bekommen - „weil ich auf dem Weg zur Schule immer alle überholt habe", sagt der 26-Jährige, der auch schon württembergischer Junioren-Meister im Fliegengewicht bei den Boxern war. Heute tanzt er lieber mit seiner Freundin Salsa und Flamenco. Rennen will Mayr zwar auch nach wie vor viele gewinnen und Spaß dabei haben, in erster Linie sieht er sich aber als Mittler für Nachwuchssportler, die wie er Studium und Leistungsradsport verbinden wollen. Deshalb wird der Sprinter auch überwiegend für das eigens dafür gegründeten Racing-Students-Team fahren. „Auf der Siegerliste wird er aber stets unter Activity-Racing-Team geführt werden", erklärt Sanwald, der sich noch aus einem ganz anderen Grund über den Wechsel Mayrs zum TSV freut: „Endlich mal einer, der noch größere Oberschenkel hat als ich."

 

Bericht: Susanne Degel

Ganz in Weiß in die neue Saison

Es ist das Jahr eins nach der Ära Leif Lamparter beim Activity-Racing-Team des TSV Schmiden. Und es soll ein gutes erstes Jahr werden nach dem Weggang des unumstrittenen Spitzenfahrers und erfolgreichen Bahnprofis. „Ich denke, dass wir sogar noch besser aufgestellt sind als zuletzt", sagt der Teammanager Marc Sanwald. 39 lizenzierte Fahrer hat der 37-Jährige kürzlich bei der Teampräsentation in der Verkaufsräumen von Bikes'n'Boards in Schorndorf, einem der neu hinzugewonnenen Sponsoren, vorgestellt - und das ganz in weiß. Die gelben Trikots und die schwarzen Hosen haben nach nunmehr fünf Jahren ausgedient. Gelb, das war vor allem die Farbe von Leif Lamparter. „Wären wir weiter damit gefahren, hätte man seinen Namen immer wieder mit uns in Verbindung gebracht", sagt Sanwald. Doch das Kapital Lamparter sei abgehakt. „Wir starten quasi mit einer weißen Weste in die neue Ära", sagt der umtriebige Teammanager, dem es einmal mehr gelungen ist, außer neuen Sponsoren auch neue starke Fahrer für sein Team zu gewinnen. Zwei, deren Gesichter man sich unbedingt merken muss, sind Andreas Mayr und Rolf Hofbauer. Es sind die neuen Zugpferde im Team. „Ihre Namen wird man künftig häufig in den Ergebnislisten ganz vorne sehen", ist Sanwald
überzeugt. Er selbst wolle nur noch wenige Rennen fahren. „Es wird sonst
einfach zu viel", sagt der Teammanager, der ansonsten als stellvertretender Küchenleiter im Zentrum für Psychiatrie in Winnenden arbeitet.

Unterstützt wird er in seinem Tun von Elmar Burke, dem Teamsprecher des Eliteteams. Der Schorndorfer zeichnet nicht nur für die Gestaltung der neuen Trikots aus, sondern auch für jene des neuen Internetauftritts.
(www.activity-racing-team.com).
Wie schon in den vergangenen Jahren bilden auch in dieser Saison, die in
Baden-Württemberg traditionell mit dem Klassiker „Rund um Schönaich" am Ostermontag beginnt, die C-Lizenz-Fahrer das Grundgerüst. Sie sollen gute Plätze einfahren - und das fast ausschließlich bei Rennen in der Pfalz.
„Dort gibt es einfach mehr, außerdem ist das Preisgeld lukrativer", sagt
Marc Sanwald. Betreut werden die Fahrer von Daniel Hartmann und Oliver
Heger.
Das Eliteteam, bestehend aus Rolf Hofbauer, Andreas Mayr, Elmar Burke,
Sebastian Latz, Simon Horstmann, Karsten Vesterling, Timur Selvi, Sebastian Spengler, Markus Jahn und Markus Kühn soll den in der vergangenen Saison gewonnenen baden-württembergischen Mannschaftsmeistertitel in der neu benannten Gonso-Liga (zuletzt Baden-Württemberg-Liga, früher LBS-Cup), erfolgreich verteidigen. Allerdings: unter Leistungsdruck setzt Marc Sanwald seine Fahrer nicht.

Seit jeher steht in Schmiden der Spaß im Vordergrund und das solle sich auch in Zukunft nicht ändern. „Beruf, Schule, Studium und Familie genießen oberste Priorität", sagt der 37-Jährige.

Die Leistung stelle sich automatisch mit dem Spaß am Hobby ein - das habe ihm zumindest die Vergangenheit gezeigt.
Erstmals wird das Activity-Racing-Team in diesem Jahr auch eine
Mountainbike-Renngruppe Hobby stellen. Aushängeschild dürfte dabei Nina Kunz sein, die Dritte der vergangenen württembergischen Meisterschaften.
Im Jahr eins nach der Ära Leif Lamparter wollen die Activity-Fahrer aber
nicht nur mit guten Platzierungen von sich reden machen, sondern einmal mehr als Rennorganisatoren. Vom 19. bis 22. August planen Sanwald und Co. die Ausrichtung von gleich vier Rennen - in Backnang, Schorndorf sowie in Fellbach (2). Am Kappelberg sollen die baden-württembergischen

Berg-Meisterschaften am letzten Tag den Abschluss bilden - mit einem Sieger ganz in weiß.

 

Bericht: Susanne Degel